Der Tod am Kreuz

- Eine römische Gräueltat?

Um seine Rolle zu spielen, reitet Jeschua als Messias in Jerusalem ein, hält sich an sämtliche Prophezeiungen – hierbei sind wohl jedem schon die geistreichen Textwiederholungen „damit erfüllt werde die Prophezeiung des Hosea, Jesaja… usw. usw.“ aufgefallen - und tut alles, was von ihm erwartet wird - bis zu einem ganz entscheidenden Moment. Bis dahin dürften die Zeloten sehr erfreut über den Lauf der Dinge gewesen sein, aber dann vertrat ihr Messias ganz plötzlich einen unerwarteten Standpunkt. »Zahlt die Steuer«, sagte er, »sie hat nichts zu bedeuten.« Denn sein wahres Königreich sei, wie er oft betonte, nicht von dieser Welt.

Die zelotischen Anhänger Jeschuas müssen sprachlos und außer sich vor Wut gewesen sein. Ihr sorgfältig aufgezogener Messias hatte sie im Stich gelassen, er hatte sich von Johannes (Täufer) auf dessen Weg verleiten lassen: „Er predigte das bevorstehende Reich Gottes und das Ende alles Weltlichen“. In ihrem Zorn sollten sie ihn nun ebenfalls verraten.

Aber einen wesentlichen Punkt des Gesamtgeschehens sollten wir noch ansprechen: - Wie konnte er als gefeierter „Messias“ in Jerusalem einreiten ohne vorher eine priesterliche Salbung erfahren zu haben? – Die Evangelien bieten auch hier ein sehr geteiltes und zweifelhaftes Bild. Johannes behauptet, die Salbung sei 6 Tage vor dem Passah erfolgt; bei drei der Autoren aber können wir lesen, dass die Salbung erst nach dem Einzug in Jerusalem erfolgte. Wem sollten wir diesmal folgen?

Wichtig ist diese Salbung allemal, denn dieser Ritus – aus der altägyptischen Priesterweihe übernommen – war Voraussetzung für ein öffentliches Auftreten und musste eigentlich von einem Hohen Priester, einem Propheten oder aber dem Sanhedrin! erfolgen (wir können dies an mehreren Stellen des AT nachvollziehen), aber was finden wir hier bei den emsigen Autoren der Evangelien einvernehmlich: Die Salbung erfolgte durch eine Frau. Mal wird Maria Magdalena als Vollzieherin erwähnt, mal Maria aus Bethanien, die Schwester des Lazarus? Erst im 6. Jahrhundert gibt ein Schreiben des Papstes Gregor I. Aufschluss, dass es sich bei beiden um die gleiche Frau handelt, wie aus dem Evangelium der Maria Magdalena zu erfahren sei. – Dieser Passus liegt uns leider nicht im Original vor -.

Aber wirklich helfen tut dies ja auch nicht – entweder haben wir hier ein Zeichen dafür, dass er für seine Bewegung, wirklich die Regeln der alten Gesellschaftsordnung umschmeißen wollte und Frauen dort gleiche Rechte hatten wie Männer, - oder aber die Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld waren alle von dem Messiaswahn dieser Bewegung so gefangen, dass man alles selbst in die Hände genommen hatte, den angekündigten und bereits öffentlich proklamierten Messias unantastbar vorführen zu können. Dann spielt es im Wesentlichen keine Rolle ob er bereits als „Gesalbter’“ in Jerusalem einzog oder ob er im Nachhinein nach seinem Auftritt im Tempel, aufgrund der Verweigerungshaltung des Sanhedrin „veredelt“ wurde. Erstaunlich ist hier nur die Tatsache, dass er von einer Frau zum Messias gesalbt und ausgerufen wurde, und wirklich unfassbar erscheint, dass diese Zeremonie von seiner eigenen Frau ausgeführt wurde. Aber der weitere Verlauf der Ereignisse zeigt uns ganz eindeutig, dass nichts dem Zufall überlassen blieb, sondern alles bis ins Kleinste vorbereitet und geplant war.

Selbst dieser Einzug nach Jerusalem war von langer Hand vorbereitet und angekündigt, wie in den Evangelien selbst sehr eindrucksvoll beschrieben. Aber dieser Einzug nach Jerusalem erfolgte keinesfalls auf freiwilliger Basis; wie es uns die Texte der Evangelien glaubhaft machen wollen. Jeshua hatte eine Vorladung vor den Sanhedrin erhalten. Dem konnte er sich nicht mehr entziehen – er musste Folge leisten oder er lief Gefahr in Abwesenheit verurteilt zu werden. Es war ihm zwar gelungen den Vorwurf, er habe sich als Sohn Gottes ausgegeben, durch seine im Vorfeld der Passahereignisse erfolgten Schreiben an den Sanhedrin, mit der Aussage, er habe nicht gemeint, dass er Gott sei, sondern dass er von dem Geist Gottes beseelt sei, zurückzuweisen, aber es war ihm nicht gelungen seine Unschuld, zu den Anklagepunkten der Gotteslästerung wegen Ankündigung des Reiches Gottes unter vorheriger Vereinigung der 12 Stämme, zu beweisen. Aber er ging tatsächlich davon aus, dass man ihn, allein um seiner vorgetragenen Eingaben willen, vorlade um ihn zum Messias zu salben und auszurufen. Unter genau dieser Erwartung arrangierte man den Einzug Jeshuas nach Jerusalem als Einzug des Messias „wie es die AT Propheten in ihren Aussagen vorhersagten“. Seine engsten Vertrauten hatten aber auch alle Vorbereitungen für den schlimmsten der anzunehmenden Fälle getroffen.

Hier müssen wir uns zur Richtigstellung offensichtlicher Falschbehauptungen in den Evangelien zuerst einmal den Pharisäern zuwenden. Diesen werden ja die übelsten Vorwürfe in den Texten zugeschoben. Dieses ist schlichtweg unwahr. Zwar hatten diese mit Jeschua auf seinem Weg durch Galiläa ihre Auseinandersetzungen im Hinblick auf die Auslegung des AT, aber bei den Geschehen in Jerusalem waren sie nur Außenstehende und gingen sogar deutlich auf Distanz. Um dies zu Verstehen muss man sich mit der politischen und religiösen Lage Judäas auseinandersetzen. Hier hatten die Sadduzäer das Sagen. Sie stellten den Hohepriester – Kaiphas wird in den Evangelien extra erwähnt – und sie hatten die Macht im Sanhedrin. Die Pharisäer waren hier als Galiläer Ausländer und hatten gar keine Möglichkeit einzugreifen. Die Sadduzäer, aufgestachelt durch die Zeloten (sie stellten die Zeugen), waren es, die um ihre eigene Macht und ihren Einfluss fürchteten; denn für sie war dieser Wanderprediger zu einer ernsten Konkurrenz erwachsen und sie versuchten deshalb diesen Jeschua durch ein Verfahren der Gotteslästerung aus dem Weg zu räumen.

Ebenfalls müssen wir - wie bereits erwähnt - einen Stab brechen für Herodes Antipas. Dieser war einzig König - von römischen Gnaden - über Galiläa und hatte in Judäa aber nun auch wirklich überhaupt keine Macht. Er hätte sich nie nach Jerusalem begeben, - es sei denn ihn hätten ernste Selbstmordabsichten gequält – denn das wäre einem Sackhüpfen im Minenfeld gleichgekommen!

Aber die Bibelautoren wollten ihre Geschichte nun mal so gut wie möglich hochstilisieren und da ist ein Jeschua, der selbst als angeschuldigter Gefangener dem König persönlich vorgeführt werden muss, natürlich bedeutender, als einer der von einem kleinen Richter des Sanhedrin verurteilt wird. Da darf man als Evangelien Autor dann auch nicht davon absehen, dass dieser König ein wahrer Unhold ist und diesen armen Jeschua verhöhnt.

Eines ist jedenfalls sicher, Jeschua musste durch sein öffentliches Predigen vom bevorstehenden Reich Gottes bereits eine große Anhängerschaft bei den Unterprivilegierten der Bevölkerung um sich geschart haben, denn dieser euphorische Empfang in Jerusalem war keinesfalls von der Zelotischen Befreiungsfront vorbereitet worden. Diese hatten um sich seiner endgültig zu entledigen, zu der Zeit bereits Anzeige bei dem römischen Präfekten erstattet. Hier ging es um mehr als den bloßen Vorwurf der Gotteslästerung (selbst darauf stand ja schon nach jüdischem Recht die Todesstrafe durch Steinigen), hier lautete die Anklage auf Aufruhr und Widerstand gegen das Imperium (Besatzungsmacht – wird im römischen nicht verwendet, immerhin lag die Eroberung der vorher persischen Gebiete durch Alexander hier auch schon mehr als 350 Jahre zurück und die Annektierung der griechischen Reiche durch Pompeius ebenfalls mehr als 100 Jahre). Aber diese mehrfach bezeugten Vorwürfe ließen nach römischem Recht nur ein Urteil zu. Und Jeschua und seine engsten Vertrauten wussten darum.

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