Geschichte der Templer

Die Gründung des ersten militärischen Ritterordens

Hugo de Payns - der Visionator

© John Fremont Stiller 1999

Der Forschungsgeist, gepaart mit dem Willen zur humanitären Hilfe, eines Visionisten führte zur Gründung des einflussreichsten und mächtigsten Ritterordens der Geschichte des Abendlandes. Der französische Adelige Hugo de Payns kommt bei seinen von Abenteurer- und Forschungsdrang getriebenen Unternehmungen im "Heiligen Land" zu Erkenntnissen, welche nicht nur sein weiteres Leben in völlig neue Bahnen lenken würden, sondern welche ihm, gemeinsam mit seinem Freund Gottfried de Saint-Omer, die Idee hervorbrachte einen religiösen Ritterorden zu gründen.

Ein Traum wird war

© John Fremont Stiller 1999

Um die Existenz des Templerordens ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Kein anderer der geistlichen Ritterorden ist mit einem solchen Nimbus des Geheimnisvollen und Übernatürlichen umgeben. Zweihundert Jahre lang - vom 12. bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts - prägten die Templer das abendländische Geistes- und Kulturleben entscheidend mit. Als Wirtschafts- und Finanzmacht waren sie zu ihrer Zeit unübertroffen. Es heißt, dass der Orden zu seiner Zeit die Errichtung der riesigen Kathedralen finanzierte, deren Architektur ein ganzes Zeitalter kennzeichnete. Militärische Schlagkraft, Effizienz und ein ausgeprägter Korpsgeist ließen die Templer zu einer Elite werden, die ihresgleichen im Abendland suchte.

Die Anfänge

Der Mönchsritterorden wurde offiziell am 13. Januar 1129 - nicht 1128, wie lange behauptet wurde - in Frankreich geschaffen, aber sowohl um seine Entstehung als auch um seine spätere Tätigkeit ranken sich zahllose Legenden. Verbürgt ist, dass sich bereits in den Jahren 1118/19 im Heiligen Land unter Führung der normannischen Adligen Hugo de Payns und Gottfried de Saint-Omer acht Ritter zu einer Art Polizeitruppe zusammenschlossen, welche "nach Kräften für die Sicherheit von Straßen und Wegen sorgen" wollten - insbesondere "für den Schutz der Pilger".

Bisher konnte noch kein Historiker zufrieden stellend erklären, wie Hugo de Payns und seine Gefährten diese schwierige Aufgabe bewältigen wollten, aber auch in den darauf folgenden Jahren schien die Sicherung der Straßen und Wege im Heiligen Land wohl das perfekte Alibi für die tatsächlichen Aktivitäten dieser Ritter zu bleiben. In Wahrheit aber unternahmen sie ausgedehnte Reisen, wobei sie diplomatische Kontakte knüpften und regelrechte archäologische Ausgrabungen durchführten. Auffällig war besonders, dass sie sich an keiner militärischen Auseinandersetzung beteiligten, sondern viel lieber alte Ruinen erforschten. Alle acht Gründungsmitglieder des Templerordens waren mit dem Grafen Hugo de Champagne verwandt oder aber dessen Landsmänner.

Dies ist vor allem deshalb äußerst bemerkenswert, weil der Grafenhof der Campagne in Troyes zu den aufgeklärtesten Herrschaftszentren des Mittelalters gehörte und sich dort bereits seit dem Jahr 1070 eine angesehene Schule für talmudische und esoterische Studien - Zeichen einer für diese Zeit beispiellosen religiösen Toleranz und des Interesses an den Wissenschaften - befand.

Noch vor der offiziellen Anerkennung der Templer auf der Synode von Troyes im Jahr 1129 erhielten sie auf Betreiben ihres Gönners Bernhard de Fontaine - einen später heilig gesprochenen Zisterziensermönch, der die Abtei von Clairveaux gegründet hatte und zu den bedeutendsten Wortführern und geistigen Architekten des Christentums in jener Epoche gehörte - reiche Schenkungen in Form von Geld, Gütern und vor allem Ländereien. Im Jahr 1128 verfasste Bernhard von Clairveaux schließlich ein Traktat, welches er "Das Lob der Neuen Miliz" betitelte und mit dem er die militant religiösen Ziele der Templer zum Ideal und zum Inbegriff aller christlichen Werte erhob.

Ein Jahr zuvor waren alle Gründungsmitglieder des Templerordens nach Frankreich zurückgekehrt, und bereits in der ersten Regel des neu gegründeten Ordens schrieb Bernhard von Clairveaux: "...mit Gottes Hilfe...ist das große Werk vollendet worden...". Welchen Sinn sollte diese Aussage haben, wenn sie sich auf die Aktivitäten der Templer zwischen 1118 und 1127 bezog? Was war in diesem Zeitraum Bedeutendes geschehen? Hatten sie etwa im Heiligen Land statt "die Pilger zu schützen" etwas unendlich Wertvolles gesucht und gefunden, von dem Hugo de Payns während seiner ersten Reise in das Heilige Land erfahren hatte?

Darüber kursieren die seltsamsten Spekulationen. Man spricht von der Bundeslade, dem Heiligen Gral oder dem Grab Christi, aber die Ereignisse, welche unmittelbar nach der Gründung des Ordens begannen, werfen ein völlig anderes Licht auf diese Frage. Mit dem Auftauchen der Templer in West- und Mitteleuropa begann nahezu übergangslos jenes Zeitalter, das wir heute als "Gotik" bezeichnen und das vor allem in der sakralen Architektur seine eindrucksvollen Spuren hinterlassen hat.

Zu jener Zeit entstanden etwa die Kathedralen von Chartres, Reims und Sens, um nur einige zu nennen. Scheinbar aus dem Nichts wurden die mit der Errichtung solcher Bauten verbundenen mathematischen, bautechnischen und logistischen Leistungen vollbracht. Woher stammte das Wissen und woher kamen die Mittel zum Bau dieser Kathedralen?

Bis zur heutigen Zeit umgeben zahllose Rätsel und Geheimnisse den Orden, der inzwischen zumindest als Finanzier und wahrscheinlich auch als die Quelle der Ideen und Pläne dieser imposanten architektonischen Leistungen anerkannt wird. Die Überlieferungen berichten von riesigen Mengen an Gold- und Silberbarren, heiligen Gefäßen und nicht näher bezeichneten Wertgegenständen, die sich im Besitz der Templer befunden haben sollen. Oft ist auch die Rede von einem "geistigen Schatz" und von uraltem Wissen, das aus dem alten Ägypten stammen dürfte und sich auf die Geheimnisse der Baumeister der Pharaonen bezieht.

Es ist also kein Wunder, dass Bernhard von Clairveaux die "neue Ritterschaft" so über alle Maßen lobte. Gelangten doch er und seine Zisterzienser durch den Fund der Templer ebenfalls in den Besitz dieses umfangreichen, uralten Wissens, welches sich bei kluger Nutzung als Trumpfkarte im Kampf um geistliche Autorität und weltliche Macht erweisen würde. In den Jahren nach der Ordensgründung wurden am Hof zu Troyes jedenfalls zahlreiche sehr alte hebräische Texte übersetzt, wozu manchmal sogar Rabbiner aus dem Hochburgund hinzugezogen werden mussten.

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