Ägyptische Provinzen

Vom Standpunkt des Historikers hat sich die Position der Bibel endgültig relativiert. Das historische Israel kann sich nicht in primitiven Anfällen eines erdichteten Selbstverständnisses begreifen, sondern muss sich den historischen Tatsachen im Zusammenhang mit seiner Palästinischen und Nah-Östlichen Ansiedlungsgeschichte stellen. Die Fragen der Exegeten nach den genauen Umständen, den möglichen Hintergründen der spektakulären Geschehnisse um den Aufenthalt der Vorisraeliten in Ägypten und den behaupteten Exodus, führten die Theologen und Ägyptologen in dem vergangenen Jahrhundert zusammen.

Aber noch im 19. Jahrhundert diente das dingliche Interesse der Bibeltheologen und auch der Ägyptologen der unmittelbaren Verifikation und Vertiefung des in der Bibel behaupteten Wissens über Land und Leute Ägyptens. Je mehr Bibeltheologen und Ägyptologen jedoch ihre eigenen Wege gegangen sind, um so weniger ist vom ehedem verbindenden Interesse geblieben. Kaum ein Ägyptologe möchte sich noch der Werke erinnern, die er in falscher Annahme von Tatsachen, zu Beginn seiner Arbeiten veröffentlichte. Zwar liegt das Hauptinteresse der Wissenschaft immer noch in der asiatischen Nachbarschaft zu Ägypten, vor allem in den mesopotamischen und syrischen Informationsquellen, aber gerade die dort in neuerer Zeit gewonnenen Erkenntnisse zwingen immer mehr das Blickfeld nach Ägypten zu richten und sich von dem biblischen Vorbild, die Anfänge von Kosmos und Menschheit im Zweistromland zu suchen, abzuwenden.Das Land der Schöpfungslehren in Poesie und Prosa, die Wiege der Architektur und der medizinischen Wissenschaften, genau wie der Philosophie und der Theologie, ist Ägypten.Die beiden Schöpfungstexte am Anfang des Alten Testaments profitieren in je besonderer Weise von diesem Erbe. Die literarische und theologische Herkunft aus den ägyptischen Ptah und Amun-Re Kulten ist nicht zu verleugnen. Die rätselhafte Paradiesgeographie in Gen 2,11-14 nennt als Ströme aus dem Garten Eden zunächst den Hauptfluss Ägyptens, den Nil, unter dem Kryptonamen Pischon, der zugleich die ganze Welt „umfließt“, und den äußerlich so unbedeutenden Stadtbach Jerusalems, den Gihon, der Kusch (das ist Ägypten in der Äthiopenzeit ca. 712 – 663 B.C.) „umfließt“, also begrenzt - hier verlief in dieser Zeit die Grenze zum Assyrischen Reich. Erst dann folgen in der Aufzählung die mesopotamischen Flüsse Tigris und Euphrat. Deutlicher kann man kaum die Präferenzen nennen. Auf der phantastischen Karte der Bibel liegt Jerusalem in der Mitte der Welt und doch verrät sie uns genau, in welcher Zeit dieses Weltbild geschaffen wurde.

Deshalb ist es zwingend erforderlich eine Aufarbeitung auf wissenschaftlich historischer Grundlage zu erstellen, um die Anfänge eines Volkes erfassen und begreifen zu können, dessen Ursprung in verschiedenen Sippen von Schasu-Beduinen zu erkennen ist, welche über Jahrhunderte raubend und plündernd über das ägyptische Deltagebiet hinweg zogen, um letztendlich in den syro-ägyptischen Bevölkerungsgruppen des judäischen Berglandes aufzugehen. Hierzu gehen wir zum historisch überlieferten Anfang des Zusammentreffens von asiatischen Raubhorden auf das ägyptische Kernland und seine Provinzen zurück.Es ist die Geschichte vieler Völker und Volksgruppen, die bei einem Volk endet, welches sich seinem Wind- und Wettergott verschrieb, dessen Name seinen Ursprung in einer Berglandschaft findet, welche zu einer unbedeutenden ägyptischen Provinz zählte.

Der wesentliche Tenor des Alten Testaments der Bibel manifestiert sich in dem Glauben an die Herausführung Israels aus Ägypten und das beherrschende Bekenntnis zu deren Gott JHWH. Ägypten wird uns hier als ein Land der Unfreiheit, als das Haus der Knechtschaft und der Unterdrückung präsentiert. Demgegenüber erkennt man aber bei näherer Betrachtung der Erzählungen um „Josef in Ägypten“ das Land in einem ganz anderen Licht: Hier wird uns ein Land der faszinierenden Fremdheit und besonderen Attraktivität gezeigt, als Ort mit geheimnisvoller Vergangenheit und Raum der internationalen Akzeptanz, voll von Humanität, Nächstenliebe und besonderer Zukunftsfreude, wie politischer Weitsicht.

Hier zeigt sich ein Bild der Ambivalenz Ägyptens im Blickfeld der Bibel, wie es nur die wechselnden Erfahrungen der Autoren in Israel im 1. Jahrtausend B.C. mit dem westlichen Nachbarn, hervorbringen konnte. Politische und kulturelle Verbindungen stehen den mehr oder weniger deutlichen Abgrenzungsversuchen gegenüber.

Die Aufarbeitung der historischen „Beziehungen“ zwischen Ägypten und dem frühen Volk der Hebräer und späteren Israeliten, kann aber nicht anhand der Bibel betrieben werden. Vor allem können die ersten Schritte, die Israel in Kanaan Palästina machen konnte und durfte nicht nach den Angaben in der Bibel nachvollzogen werden, denn hier schaut die Bibel aus sehr viel späterer Zeit zurück. Die Anfänge biblischer Literatur reichen unstreitig frühestens in das zweite Viertel des 1. Jahrtausends v. Chr. Zurück. In der bereits fortgeschrittenen Königszeit beschreiben ihre Schriftsteller mehr deutend und malend die überlieferten Kontakte zum Ausland und zu den Nachbarn und vergessen dabei nie, auf die gegenwärtigen Erfahrungen anzuspielen, während sie die Vergangenheit verklärten und beschönigten. Das Ägyptenbild der Bibel ist immer von der Perspektive der Schriftsteller her gezeichnet und hinterlässt so deutliche, verräterische Spuren zum Zeitpunkt ihrer Entstehung.

Für eine Erhebung der historischen Zusammenhänge bedarf es demnach zunächst einer sehr kritischen Informationssuche in zeitgenössischen Quellen, literarischen und nichtliterarischen Zeugnissen, die uns vor allem die Archäologie Palästinas und seiner Nachbarländer beschert.

Die Bibel kann hierbei nicht einmal als Sekundärquelle hinzugezogen werden, bestenfalls ist sie geeignet uns auf die Fragen nach dem historischen Hintergrund der Erinnerungen etwa zum Exodus oder zu den angeblich so sagenhaften Verbindungen des Königs Salomo nach Ägypten aufmerksam zu machen.

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