Die Heiligen Schriften

Tutankhamun

Die ältesten religiösen Texte der Weltliteratur finden wir in Ägypten. Hier zeichnet sich eine Religionsgeschichte ab, die schon aufgrund der umfassenden Überlieferung wohl einmalig in der Welt ist. Hier finden wir neben der ägyptischen Profangeschichte auch die Entwicklung der diversen religiösen Strömungen aufgezeichnet. Nach der derzeit gültigen Zeittafel der ägyptischen Geschichte, beginnt die Entwicklung des Nilimperiums mit der sogenannten Thinitenzeit, benannt nach der 1. u. 2. Dynastie, welche ihren Ursprung in Teni in Oberägypten und ihre Residenz in Memphis hatten. Die bisherige, oft vertretene Auffassung der erste nachgewiesene König und Reichseiniger Narmer wäre mit den ebenfalls nachgewiesenen Königen Aha und Skorpion gleichzusetzen, wurde aufgrund des inzwischen vorliegenden Materials aufgegeben. Vielmehr wurden inzwischen 27 weitere Königsgräber ausgegraben, von denen bisher 7 offiziell von der Archäologie anerkannt werden. Hier zeigt sich also deutlich ab, dass der Beginn der Nilkulturen deutlich früher zu sehen ist, als bisher angenommen.

Für die Religionsgeschichte zeigt sich dies aber nicht als hilfreich, vielmehr erschwert sich damit die Zuordnung der Entwicklung der Religionsgeschichte zusätzlich. Aber es ist die Zeit der Entwicklung der Schrift, die wie vieles Altägyptische auch eine besondere Entwicklung aufzeigt. Neben der perfektionierten religiösen Schriftform der Hieroglyphen wurde zeitgleich die hieratische Schrift entwickelt, welche ein bedeutend schnelleres Schreiben und damit eine breitere Verwendung ermöglichte. In der Spätzeit wurde diese jedoch nach der Entwicklung des Demotischen ebenfalls nur noch als religiöse Schrift verwendet. Allerdings findet man auch aus der spätrömischen Zeit und der Frühzeit der koptischen Kirche immer noch Aufzeichnungen die in dieser Schrift verfasst wurden.Die Wissenschaft steht also vor der Aufgabe eine Religionsliteratur aus einer historischen Kultur, von der uns Aufzeichnungen aus mehr als 4.500 Jahren vorliegen, zeitlich zuzuordnen und deren Entwicklungsgeschichte dem historischen Ablauf gemäß zu deuten und deren Inhalte und Werte wahrheitsgemäß offen zu legen.Hierbei ist besonders auf das vielen Archäologen und Bibelhistorikern eigene bibeltreue Verhalten, durch negativ Ausschmückungen, Auslassungen oder bewusst oder fahrlässig durchgeführte Fehlübersetzen, Verfälschungen der Tatsachen im Zusammenhang der möglichen Auswirkungen auf Bibeltexte, im Sinne der historischen Tatsachen zu verzichten. Die Menschheit hat ein Anrecht auf ihre historische Wahrheit ohne Rücksicht auf irgendwelche religiösen Animositäten.

In der Frühzeit der ägyptischen Religionsgeschichte steht der König (in der Spätzeit als Pharao bezeichnet) in einer zentralen religiösen Position, welche es ihm allein ermöglicht das „Weltliche“ in das „Göttliche“ zu übermitteln. Seit der Frühzeit steht der König bereits in einer Vater Sohn Beziehung zu Gott, er wird mit der Thronbesteigung zu Horus, Sohn des Atum-Re und die Hauptaufgabe des Königs als religiöser und weltlicher Führer liegt in der Aufrechterhaltung der Harmonie des Weltlichen mit dem Göttlichen. Die Zeit des Alten Reiches zeigt uns besonders die liberale und demokratische Ausrichtung der staatlich, religiösen Orientierung. Der unbedingte Wille zur Harmonie lässt auch religiös abweichende oder zumindest differente Auffassungen des „Göttlichen“ zu. Es entstehen die großen religiösen Zentren um Memphis und vor allem Heliopolis, während das alte Zentrum in Hermopolis zurückgedrängt wird. Die religiösen Anschauungen unterliegen der fortschreitenden Wandlung – neue Gottheiten erobern den „Götterhimmel“. Der König bleibt zwar der selbständige Sohn, der seinem göttlichen Vater gegenübersteht, die Gottheiten an der Spitze jedoch wechseln entsprechend der Gaue und Religionszentren. Mit dem Auftauchen des Renegaten Peribsen wurde eine neue Religion, der Osiris-Isis-Kult, geboren, welche die Welt der alten Ägypter völlig durcheinander brachte und in deren Folge das alte Reich letztlich in einer politischen und religiösen Katastrophe zerbrach. Die religiösen Anschauungen entwickelten sich in völlig neuen Wegen. Die Todes- und Religionsmysterien, die eigentlich dem König und seiner Familie vorbehalten waren, wurden zunehmend demokratisiert und allmählich, wenn auch eingeschränkt auf das Volk übertragen. Mit dem Osiris ist es dem normalen Menschen möglich sich in eins mit dem göttlichen zu versetzen und zum Himmel aufzusteigen. Der Mensch vereinigt sich mit dem Allherrn und Allgott Atum Re, der im Zentrum von Theben zu Amun-Re, dem Sonnengott erhoben wird. Das Bewusstsein der Fähigkeit zur Sünde tritt dabei in den Vordergrund und nur die Fürsprache des weisen Gefährten des Atum Thot, der die Fähigkeit der Menschen zur Sünde genau kennt und alles zur Aufrechterhaltung der Harmonie Ma´at zu tun bereit ist, vermag die Erlösung des Menschen und die Vereinigung mit Osiris herbeizuführen.Die literarische Niederlegung dieser umfassenden Wandlungen der religiösen Auffassungen bietet Texte, die sich aus den Pyramidentexten immer weiter entwickelten. Über die Beschriftungen der Särge der Verstorbenen (Sargtexte) und dem Aufzeichnen auf Papyrus, den man den Toten beilegte, ja sogar auf die Binden der Mumien niederlegte, war es aber ein weiter Weg bis zur Papyrusliteratur der Dynastien des Neuen Reiches und der Niederlegung des Totenbuches.

Die verschiedenartige Totenliteratur zeigt uns die Entwicklung von mehreren aufeinander treffenden monotheistischen Strömungen hin zu einer polytheistischen Götterwelt, die ihren Ursprung dem unbedingten, göttlich inspirierten Harmoniewillen des ägyptischen Volkes verdankte. Durch die von allen Seiten in das Niltal einströmenden fremden Kulturen wurde nicht nur eine besondere Entwicklung der Gesellschaft vorangetrieben, es kam auch zu einer immer neuen Vermischung verschiedenster religiöser Vorstellungen, die dem Harmoniestreben folgend auf jegliche erdenkliche Art in die bestehenden Kulte eingewoben wurden. Zwar gab es dominierende Staatsreligionen, aber es wurde niemals ein Zwang zur Anerkennung oder Ablehnung anderer Glaubensvorstellungen ausgeübt. Die religiöse Revolution des Osiris-Isis-Kultes lastete schwer genug auf dem nach Harmonie strebenden Volk. Die hierdurch ausgelöste Krise der Jenseitsvorstellungen wirkte über Jahrhunderte und förderte einen erheblichen Skeptizismus und innerstaatlichen Unfrieden. Zwar gewinnen die Anschauungen von der Vereinigung mit Osiris und von dem Erlangen der Nähe des Sonnengottes die Geltung von Heilstatsachen, aber letztendlich nimmt hier eine Entwicklung ihren Lauf, die eine totale Staatskrise heraufbeschwört und den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung bewirkt. Die Phase des Mittleren Reiches ist eigentlich der Beginn des Verfalls der Hochkultur und mündet in der 2. Zwischenzeit welche nur den Übergang in die schlimmste Phase der ägyptischen Geschichte darstellt. In diesen Zeitraum fällt die Invasion und Herrschaft der Hyksos, eines über einen längeren Zeitraum zuwandernden Völkergemischs aus asiatischen, semitischen Shasu- und Hapiruhorden, die das durch religiöse Wirren verursachte Machtvakuum erkannten und nutzen um ein eigenes Reich aufzubauen, welches letztendlich in der Unterdrückung der einheimischen Ägypter mündete. Die Eroberer bringen neue Götter ins Land, wie Reshef -Baal mit seiner Schwester-Gattin Anath, welcher dann mit Seth und Anubis verschmolzen und nach der Vertreibung aus Ägypten zum Volksgott JHWH mutiert wurde. Der endgültige Sieg der Ägypter über die Hyksos gelingt zu Beginn der 18. Dynastie und der Gründung des Neuen Reichs. Die ägyptischen Glaubensvorstellungen um den Osiris-Kult festigen sich erneut und die Textsammlungen, die man den Verstorbenen als Beigabe ins Grab legt bilden den Kern der heute bekannten altägyptischen Literatur unter der Bezeichnung: das Totenbuch.

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