Satanismus - Die Fiktion eines Gegenspielers

© Theodor v. Schöning PCMTH 2004

Nehmen wir in den okkultistischen Verbindungen alles zusammen, was sich dort so an esoterischen und sonstigen in dieses Feld passende Geheimnistuer ins Licht der Öffentlichkeit drängt oder in die Dunkelheit vermeintlicher Verborgenheit verzieht, so sehen wir hier so viel Scharlatanerie und Scheinwissen angehäuft, wie es die gesamte religiöse Vergangenheit der Menschen nicht zusammenfantasieren konnte. Natürlich sehen wir dort auch sowohl politische als auch vermögende und wirklich einflussreiche Menschen vertreten – aber sind solche Bewegungen oder Gruppierungen deshalb mächtig, ja so mächtig, wirklich Einfluss ins Weltgeschehen zu nehmen oder Macht auszuüben. Mitnichten, wer sich dort engagiert und zum falschen Zeitpunkt zu weit aus dem Fenster lehnt, der wird nicht nur ins Abseits gleiten, er wird sich selbst der öffentlichen Blamage ausgesetzt sehen und ins Lächerliche abgleiten. Hier sind die Einflüsse der Aufklärung inzwischen auf fruchtbaren Boden gefallen und haben den Menschen ein Misstrauen eingepflanzt, welches diese sich selbst zum Gegner zu erklären bereit zu machen geeignet ist.

Wenn wir die angesprochenen Gruppierungen um den Satanismus, ja um Satan selbst betrachten, dann sollte man hier eigentlich die Einwirkungen der Aufklärung noch stärker beobachten und feststellen können. Aber gerade hier sehen wir offensichtlich eine derartige Verstärkung der Interessierten und „Konvertierten“ – jedenfalls versuchen viele Medien diesen Eindruck zu vermitteln - , dass viele, auch hochgebildete Menschen, sich darüber wirklich besorgt zeigen. Aber muss man sich darüber wirklich Sorgen machen? Schauen wir doch einmal auf den Ursprung dieser „Satansreligion“, woher kommt dieser Teufel, dieser Dämon und Widersacher Gottes? Zweifelsfrei finden wir die ersten Erwähnungen dieser obskuren Gestalt in der Bibel. Aber tatsächlich finden wir dort keinerlei Hinweise darauf, dass es sich beim Satan um ein übles, ja boshaftes Wesen handeln könnte. Hier sehen wir einen aus der Heerschar des Gottes der Juden, welcher als Ankläger gegen die Menschen auftritt. Diese Schlangengeschichte aus der Genesis ist nicht wirklich ernst zu nehmen und wird im frühen Judentum auch nicht wirklich als „Satan“ betrachtet. Ein Abtriften des Satans und seiner Gefährten ins Böse sehen wir erst in den Überlieferungen, welche in und nach der sogenannten babylonischen Gefangenschaft auftauchten. Selbst im Buch Ijob ist Satan der Ankläger, der diesen zu Fall bringen will. Aber dieses Buch wurde auch erst nach Babylon verfasst gegen Ende der Seleukidenzeit. Das wirklich Böse aber schrieben die Christen dem Teufel zu – diese hatten diesen „Sündenbock“ aber auch zwingend nötig um von den eigenen Missetaten abzulenken.

Wir wollen hier nicht tiefer auf den Begriff des Bösen eingehen – da wäre eine sowohl theologische als auch philosophische Betrachtung erforderlich, welche hier zu weit führen könnte. Wenn man das Böse aber als Begriff heranziehen will und im Satan zu personifizieren sucht, dann muss man zu erkennen suchen, dass man hier nichts als ein Deckwort für die Natur des Menschen findet – die Möglichkeit des Bösen verweist auf den Abgrund der menschlichen Freiheit und man muss keinen Teufel bemühen dieses zu verstehen. Das Bewusstsein lässt den Menschen in die Zeit stürzen: in eine Vergangenheit, die ihn bedrängt; in eine Gegenwart, die sich entzieht; in eine Zukunft, die sich zur Drohkulisse stilisiert und Sorge wachruft. Das Bewusstsein kann hier die gegebene Wirklichkeit transzendieren und dabei ein schwindelerregendes Nichts entdecken oder einen Gott, in dem alles zur Ruhe kommt. Aber statt in dem Nichts auch Gott zu suchen, weil diese doch vielleicht dasselbe sind, sagt der Mensch nein zu Gott und wählt mit diesem Nein auch die eigene Vernichtung. Das Böse aber, dass ist das Bedrohliche, was den Menschen selbst verängstigt und doch vom freien Bewusstsein selbst getan werden kann und auch getan wird.

In den alten Mythen vergessener Völker findet man die Erzählung vom einstürzenden Himmel unter dem alles Leben begraben wird. Ein Ereignis welches man so sehr fürchtet, dass man das Leben danach ausrichtet nichts zu tun, was die Götter erzürnen und den Einsturz somit auslösen könnte. Die „Alten Ägypter“ lösten dieses Problem mit dem Luftgott Schu – entstanden, nach der Überlieferung im Buch der Weisheit, aus der Atmosphäre und dem darüber liegenden Magnetfeld der Erde – welcher das Himmelsgewölbe dem Menschen vom Leibe hält und zugleich die einzig mögliche Verbindung zwischen Himmel und Erde. So befindet sich die Weltordnung in Balance. Es ist der Ursprung einer stabilen Welt- und Gesellschaftsordnung in der ein Gegenspieler Gottes oder gar das personifizierte Böse undenkbar waren. Der Mensch lebte in der Harmonie dieser Ordnung und ging seiner Bestimmung nach.

Sicher wurde diese Harmonie nicht erst durch das Zeitalter der Industrialisierung gestört – vielmehr wurde diese Ordnung in dieser Zeit pervertiert. Der Mensch suchte über sich und seine naturgegebenen Beschränkungen hinauszuwachsen und sich in einer technischen Scheinwelt in Sicherheit zu wiegen. Aber Industrienationen sind ähnlich den Boomtowns des 19. Jahrhunderts im Westen der USA – sie verhelfen zu kurzfristigem Reichtum und kollabieren spätestens mit dem Versiegen der fossilen Energieträger. Das Streben der Menschen nach Zufriedenheit und der Grundversorgung mit Wasser und Lebensmitteln ist einer Gier nach Energie und Wohlstand gewichen, welche letztlich den Untergang der jetzigen Weltordnung besiegeln wird.

Grundlegende Fehler in den Gesellschaftssystemen haben das Streben nach Zufriedenheit durch das Streben nach Konsum ersetzt. Das Leben um zu leben wurde durch ein Leben um zu arbeiten und konsumieren verdrängt. Der Mensch suchte sich selbst zu beherrschen und das Böse seines Selbst durch Konsum unter Kontrolle zu halten. Mit mäßigem Erfolg – noch nie gab es so viel Kriege wie in der Jetztzeit. Nur die Ziele haben sich gewandelt – dem Streben nach Macht ist das Streben nach Energie gewichen. Grundlegende Fehler in den Wirtschaftssystemen haben die Welt in eine Finanz- und Bevölkerungskrise geführt und zudem einen Klimawandel ausgelöst, welche jetzt die vermeintlichen Wohlstanderrungenschaften auffressen werden. Der zwingend erforderliche Wandel wird verschleiert, verzögert und verdrängt. Jetzt muss natürlich wieder ein „Böser“, ein Schuldiger gefunden werden. Und die Menschen verstehen es jemandem die Schuld zu geben – da sind die Reichen, die Unternehmer, die Regierungen und natürlich in einer solch verstörenden und Angst schürenden Zeit – der Satan.

Aber der Satan kann weder helfen noch verschlimmern – er ist Fiktion. Es ist der Mensch, der sich auf das eigene Leben und das seiner Art besinnen sollte und vor allem ein neues Verhältnis zu Allem und insbesondere zum Universum entwickeln sollte.

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