Die Kreuzigung des Simon Iskariot

Eigentlich ist mit der Überschrift bereits alles gesagt, was theologisch und historisch gesehen, im Zusammenhang mit den Texten die im NT angeführt werden, als wichtig und richtig betrachtet werden muss. Aber wie wir bereits mehrfach anführten ist das Neue Testament unzweifelhaft das schlechteste Beispiel der Geschichtsschreibung. Eigentlich kann man es nicht mal als Sage betrachten, geschweige denn als Mythos. Die Texte sind widersprüchlich, unvollständig, verzerrt und voreingenommen. Wir wären jederzeit in der Lage das NT so weit zu entkernen, dass nichts als eine äußerst tendenziöse dogmatische christliche Mythologie übrig bliebe. Aber wir wollen versuchen mit deutlich mehr als nur gutem Willen die neutestamentliche Fassung der Ereignisse mit dem historisch verbrieften Geschehen in Einklang zu bringen.

Wie wir bisher vortrugen war die Zuspitzung der Ereignisse um das Passahfest einzig auf die selbstsüchtigen Machtansprüche der diversen jüdischen Interessengruppen zurückzuführen.

Rom, hier Pontius Pilatus, hatte keinerlei Interesse die als äußerst kritisch einzustufenden Bestrebungen in Judäa irgendwie in einer Art zu unterstützen, die als Provokation aufgefasst werden könnte. Vielmehr war man sehr darauf bedacht keinerlei neue Aufstandsbestrebungen hochkommen zu lassen. Deshalb waren die von den Zeloten vorgebrachten Anschuldigungen gegen diesen Jeschua bin Jussuf, der sich selbst als Jeshua beni meshiha ausgab, für Pilatus eine Angelegenheit, die bei empfindlichen Menschen dazu geeignet ist Magengeschwüre zu erzeugen. Dies umso mehr, als dass er genau berichtet bekam, wie euphorisch dieser zerlumpte Wanderprediger in Jerusalem empfangen worden war.

Seine erste Maßnahme war - er befahl die Verlegung der 6. Legion über Nacht vor Jerusalem. Er wollte vorbereitet sein. Denn eigentlich blieb ihm gar keine Wahl – die Anschuldigungen, welche durch Zeugenaussagen aus den Kreisen der Zeloten bestätigt wurden, lauteten auf Anstiftung und Anführung von Gewalttaten gegen das Imperium, Widerstand gegen die Ordnungskräfte und Anstiftung zum offenen Aufruhr und dies bereits seid dem auftauchen dieses Wanderpredigers in Galiläa, zwei Jahre zuvor. Pilatus hatte mit Sicherheit schlaflose Nächte. Er war mit Sicherheit durch seine Informanten auch über die Anschuldigungen und das Verfahren gegen diesen, ihm völlig unbekannten Mann, informiert, welches vor dem Sanhedrin lief, und hoffte darauf, dass dieser ihm die Verantwortung abnahm.

Aber auch beim Sanhedrin und dem Hohepriester hoffte man wohl, im Wissen um die Anzeige und Anschuldigungen der Zeloten, die Römer würden ihnen die Verantwortung aus den Händen nehmen. Man hatte in eiskalt kalkulierter Interessenabwägung das Verfahren vor dem Sanhedrin auf die Zeit nach dem Passah verlegt. Als nichts geschah, ergriff der Hohe Priester Kaiphas die Initiative. Ihm stand wohl der Angstschweiß im Gesicht bei der Vorstellung, dieser Wanderprediger könnte das Passahfest ausnützen, um in der völlig von Pilgern übervölkerten Stadt, seine Salbung zum Messias zu proklamieren und zum Aufstand aufrufen. Er schickte seine Wachen los um diesen Mann festzusetzen und vorzuführen.

Aber zunächst müssen wir uns noch einmal den Abend vor diesen Ereignissen genau betrachten. Die Texte des NT geben uns hier wieder einen versteckten Hinweis von höchster Wichtigkeit um die tatsächlichen Geschehnisse nachvollziehen zu können. Laut Johannes gastierte Jeschua mit seinen Anhängern bei Maria, Martha und Lazarus in Bethanien – unvorstellbar bei den dort üblichen Einraumhäusern, dass 15 Personen dort nächtigten. Matthäus hingegen berichtet Jeschua habe im Haus vom Simon dem Aussätzigen gewohnt.

Zunächst nichts besonderes, außer man stört sich daran, dass man mit einem Aussätzigen in einem Raum schlafen solle, oder aber man stellt sich die ernsthafte Frage, warum wurde hier auf ein Wunder der Heilung verzichtet, wo es sich doch direkt anbot. Aber Jeschua musste hier gastieren, denn Simon war der Vater des Judas Iskariot. Hier schmiedete man den Plan zur Rettung des Jeschua im Kreise der engsten Vertrauten, denn man wusste durch Informanten um die Pläne, die beim Sanhedrin geschmiedet wurden. Wir wissen nicht genau wer alles dazu gehörte, sicher überliefert ist nur dass man nicht einmal den Petrus einweihte, weil man um seine Schwäche wusste. Deshalb sicher die besondere NT- Erwähnung der Verleugnung – welche aber auch nur symbolische Wertung erfahren darf.

Jeschua und seine Vertrauten rechneten also mit dem Schlimmsten und bereiteten sich in ihrem Rahmen der Möglichkeiten vor. Von den „Zwölfen“ blieben nur die Brüder des Jeschua bei ihm und einige seiner Anhänger, welche nicht näher erwähnt werden. Der Rest verbarg sich außerhalb der Stadt. Um Maria, Martha und Lazarus nicht zu gefährden, übernachtete Jeschua bei Simon und Judas.

Und hier erfahren wir den Grund, warum dieser Judas lange Zeit in vielen Christengemeinden, besonders in Syrien, als Heiliger verehrt wurde und als besonderer Liebling des Jeschua galt. Hier erfahren wir warum es Judas sein musste, der die Wachen zum Versteck im Kidrontal führen und gegenüber dem Hohenpriester die Identität des Jeschua bestätigen musste. Simon der Todkranke Vater des Judas schlüpfte in die Rolle des Jeschua – auch hier finden wir einen versteckten Hinweis in den Evangelien: ›Und als sie ihn abführten ergriffen sie einen Mann, den Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn.‹ Das ist der Satz auf den sich auch der Koran beruft, wenn dort behauptet wird, dieser Jeschua sei nicht gekreuzigt worden.

Die Verunglimpfung des Judas wurde erst später durch andere Interessenabwägungen eingefügt. Die Geschichte mit den 30 Silberlingen ist nichts als reine böswillige Falschbehauptung – nicht mal Silberlinge gab es zu der Zeit, - es gab Denare, Minen, Schekel und Drachmen – aber der griechische Urtext schreibt Silberlinge. Er wurde also viel später ergänzt, als man diese Münzeinheit kannte.

Die weiteren Ereignisse, können wir anhand der Texte aus den Evangelien leicht rekonstruieren. Wir können hier beim Auftritt der Tempelwachen, nach dem sowieso „unmäßigen“ Auftritt des Jeschua im Tempel endgültig erkennen, dass diese Gruppe um ihn gar nicht so friedfertig war, wie uns die Autoren des NT gern glauben machen möchten, denn die Gruppe wehrte sich gegen die Verhaftung äußerst heftig unter Einsatz von Waffengewalt. Es gab Verletzte und einer der Soldaten verlor ein Ohr. Die Begleiter des als Jeschua-Double am Garten im Kidrontal versteckten Simon wussten sicher nicht mal von der bevorstehenden Verhaftung. Simon forderte sie dann zur Aufgabe und sie ergaben sich der Übermacht – anderenfalls wäre der sorgfältig durchdachte Plan gescheitert.

Eines ist hier sicher, keiner der Jünger war zu diesem Zeitpunkt mehr bei dem Verhafteten. Sondern allein die, welche am nächsten Tag neben ihm aufgehängt wurden. Anderenfalls wäre den Jüngern das gleiche Schicksal widerfahren.

Vor dem Hohepriester versuchte sich dieser „Jeschua“ dann damit zu entschuldigen, dass er sagte: „Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt nicht Hand an mich gelegt, aber in der Finsternis dieser nächtlichen Stunde zieht ihr gegen mich mit Schwertern und Stangen wie gegen einen Zeloten“ (org. Textauszug ap. Markusschrift ›Petrusschüler‹).

Kaiphas wollte am frühen Morgen diese Sache zu Ende bringen und eine Entscheidung herbeiführen. Vor dem vollständig versammelten Sanhedrin wurde die Klage geführt. Entgegen den Behauptungen der neutestamentlichen Autoren verteidigte „Jeschua“ sich wieder aufs Heftigste gegen den Vorwurf, er habe sich als Sohn Gottes und somit selbst als Gott ausgegeben und wiederholte genau die Worte, die er bereits in mehreren Schriften vorgetragen hatte: - Er wies den Vorwurf, er habe sich als Sohn Gottes ausgegeben, ausdrücklich zurück. Er habe nicht gemeint, dass er Gott sei, sondern dass er von dem Geist Gottes beseelt sei. Er sei nicht der physische Sohn Gottes, sondern ein spirituell von Gott angenommener Sohn und jeder der sich in gleicher Weise vom Geist Gottes beseelt fühle, sei ebenfalls ein Sohn Gottes. Also Jeschua betont ganz ausdrücklich, dass er nicht göttlich ist oder zumindest nicht göttlicher als jeder andere auch.

Klar, dass man bei ausschließlicher Betrachtung dieses Punktes, den NT-Autoren Recht geben muss, dass er für unschuldig gehalten werden könne. Aber da war ja noch der Vorwurf er würde sich selbst als Messias benennen und habe öffentlich das unmittelbar bevorstehende Anbrechen des Reiches Gottes prophezeit und angekündigt, vorher die Vereinigung der 12 Stämme herbeizuführen. Das konnte man durchaus als Gotteslästerung und Aufruf zum Aufruhr betrachten, denn wie wollte er denn die 12 Stämme im Imperium vereinigen und ein Gottesreich unter Wegfall aller Obrigkeit aufrichten? Wohl kaum durch allgemein verordnetes Beten.

Das Gesetz Israels sieht für solche Straftaten die Todesstrafe durch Steinigen vor. Hier aber greift die Macht Roms – römisches Gesetz geht über regionales Gesetz. Das Urteil des Sanhedrins musste also durch den Präfekten Roms bestätigt werden. Kaiphas wird sicher erleichtert gewesen sein –so konnte die Schuld am Todesurteil auf Rom verschoben werden. Und Pilatus – man kann sicher gut nachvollziehen, wie er sich gefühlt haben muss – er sah sich sicher schon auf Knien vor dem Cäsaren rutschen.

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