Das Ende eines Traumes

Die Krieger Gottes - Stationen einer Legende

Ruine - Templerturm Akkon

Ruine - Templerturm Akkon

Die Meister des ersten Ranges geben sich dadurch zu erkennen, dass sie, im großen wie im kleinen, auf eine vollkommene Weise das Ende zu finden wissen, sei es das Ende einer Melodie oder eines Gedankens, sei es der fünfte Akt einer Tragödie oder Staats-Aktion.

Friedrich Nietzsche

Europa gegen Ende des 1300. Jahrhunderts: Die politische Lage in Europa war eine einzige Katastrophe. Zu allen wichtigen Dingen machten inzwischen die meisten Entscheidungsträger ihre Beschlüsse vom Rat der Tempelherren abhängig. Ihre Obersten mussten daher wirklich tüchtige Leute sein, namentlich die Landesmeister, so jetziger Zeit von England Robert of Torville; in Irland Robert of Glastingbur; in Sizilien William de Caneelis; auf Zypern Wilhelm von Bement; in Flandern Pierron du Sac; in Oberdeutschland Graf Friedrich von Salm. Europa befand sich praktisch ständig im Aufruhr, jeder versuchte jeden zu Übervorteilen und seine Position zu verbessern. Jedoch erkannten viele ihre Lage als so unvorteilhaft, dass sie nach Schutz strebten. Das führte dazu, dass die einzige Macht die hier Schutz gewährleisten konnte, der Orden der Tempelherren, in dieser Zeit seine höchste Macht erreichte. Viele Landesfürsten übereigneten dem Orden große Burgen, Schlösser und riesige Ländereien. So in Deutschland im Rheinland und in der Mark Brandenburg. Als der böhmische König starb und die Verwaltung auf den Markgrafen von Brandenburg überging suchte sich auch der dortige Adel zu schützen, indem man viele Burgen und Ländereien den Templern übertrug, so dass auch hier der Einfluss so groß wurde, dass er fast der Regentschaft gleichkam. Durch Vermittlung von dem Tempelherrn Berthold von Gepzenstein im Gefolge des Herzogs von Österreich nahm des Ordens Einfluss und Größe auch hier bedeutsame Ausmaße an. Aber was machte die ganze Größe und Herrlichkeit des Ordens im Abendland im Vergleich zu der inzwischen dürftigen Lage im Morgenlande, die sich zu einer Katastrophe auswuchs.

Heiliges Land, Akkon den 18. Mai 1291: Die letzte Hafenstadt des Kreuzfahrerkönigreichs, lag in Trümmern. Nur der große Turm der Tempelritter überragte noch das Meer….….sieben Wochen lang hatten die arabischen Heere von Khalil al-Aschraf, dem jungen Sultan von Ägypten, Akkon belagert und dann angegriffen. Die letzte große Stadt des christlichen Königreiches war vernichtet. Ihre Straßen, auf denen sich einst Krieger und Adlige, Kaufleute und Bettler drängten, waren nun mit Leichen und eingestürzten Gebäuden übersät. In jenen Tagen der Gewalt scherte sich niemand um >>Kollateralschäden<<. Wenn eine Stadt fiel, nahmen Gemetzel und Plünderungen ihren Lauf. Die Araber waren entschlossen, auch den letzten Kreuzfahrer ins Meer zu treiben, während diese genauso entschlossen, in der wenn auch kaum begründeten Hoffnung, überleben wollten, ihr Reich eines Tages wieder aufbauen zu können. Aber diese Hoffnung schwand vollends, nachdem Akkon gefallen war. Jenseits der rauchenden, blutgetränkten Ruinen der Stadt stand nur noch der große Turm der Templer unversehrt da. In seinem Inneren drängten sich diejenigen, die zusammen mit den 53 Rittern überlebt hatten. Das waren die letzten Reste der einstweilen gewaltigen Streitmacht, des stehenden Heeres im christlichen Königreich Jerusalem. Sie warteten ab. Es gab nichts anderes was sie tun konnten. Niemand würde sie retten. Ein paar Schiffe kehrten zurück, und wenige Ritter und Zivilisten flüchteten. Die Übrigen warteten auf das Ende und wehrten in der folgenden Woche einen Ansturm nach dem anderen ab. Die Kämpfe waren so heftig gewesen, dass sogar die Templer anfingen zu verzweifeln. Als der Sultan anbot, sämtlichen Rittern und Zivilisten sicheren Abzug zu gewähren, wenn sie die Burg aufgaben, stimmte der befehlshabende Tempelmarschall zu. Er erlaubte einer Gruppe arabischer Krieger, geführt von einem Emir, die Burg zu betreten und die Fahne des Sultans darüber zu hissen. Aber die undisziplinierten arabischen Sklavensoldaten fielen über die Frauen und Knaben her und vergewaltigten viele. Wütend töteten die Templer alle eingedrungenen Araber und rissen die Standarte des Sultans nieder….

Festungsanlage Akkon

Festungsanlage Akkon

Der Sultan sah dies als Verrat seitens der Templer an und schwor blutige Vergeltung. Einen Tag gönnte er seinen Kämpfern ruhe, dann befahl er den Vernichtungskampf. Zweitausend weißbemantelte Sklavensoldaten rannten gegen die Stadt an. Die Notmauer wurde trotz heftiger Gegenwehr der Christen niedergestürzt, das Antoniustor verbrannt. Doch auch jetzt gelang es dem tapferen Templer-Marschall Clermont die Feinde aus der Stadt zu treiben. Der Sultan vereinigte weitere Kräfte und in einem furchtbaren Angriff auf Mauer und Antoniustor, welchem die geschwächte Besatzung nicht zu widerstehen vermochte, drangen die Araber in die Stadt vor. Die englischen und französischen Milizen des Königs flohen. Der greise Großmeister Guilloume de Beaujeu hatte das Tor zu verteidigen versucht, aber es war zu spät, er fiel gleich zu Beginn des Kampfes von einem Wurfspieß durchbohrt. Nur zehn Tempelritter und sieben Hospitaliter retteten sich aus diesem Kampf; der Meister Johann de Villiers wurde schwer verwundet auf ein Schiff gebracht und rettete so sein Leben. Der tapfere Marschall Matthäus von Clermont durchrannte mit seinem Schlachtross die Reihen der Araber vom Beginn der Straße bis zum Antoniustor und brachte übles Verderben über sie; dreiundfünfzig Krieger fielen unter seiner Lanze. Als sein verwundetes Ross ihn nicht mehr tragen konnte sank er von mehreren Lanzen durchbohrt tot danieder. Der Marschall der Deutschherren und alle seine Brüder kamen um. Der Patriarch von Jerusalem ertrank auf der Flucht im Meer.

Wer bis zum Ende durchgedrungen ist, sieht sich wieder in völliger Freiheit, er ist frei vom System - über allem System. Friedrich Schelling

In der folgenden Nacht wählten die überlebenden Templer den Bruder Monachus de Gaudini zum Großkomtur im Amt des Großmeisters. Am anderen Morgen sandten die Christen zum Sultan mit der Bitte um Gnade. Er verhieß ihnen Sicherheit und freien Abzug. Aber alle die aus der Templerburg herauskamen, wurden sofort niedergehauen. Einige wenige retten sich zurück in das Haus des Großmeisters, Gaudini selbst wurde von den Brüdern unter Anwendung von Gewalt zu einem letzten Schiff verbracht, damit wenigstens er vor dem Tode bewahrt bliebe. Kurze Zeit später begannen die Wände der Templerburg, welche die arabischen Pioniere inzwischen völlig untergraben hatten, während des erneuten Angriffs einzustürzen. Nochmals zweitausend Mamelucken-Sklaven warfen sich in die Bresche am Templerturm. Doch das stark beschädigte Gebäude gab nun auch nach. Mit einem plötzlichen Donnern stürzten die Steine in die Tiefe und zermalmten Angreifer wie Verteidiger. Als der Staub sich legte, herrschte Totenstille; alles war vorbei. Alle Templer waren tot, ebenso alle verbliebenen Bewohner. Von den ca. 4000 am Angriff beteiligten Mamelucken hatten nach dreitägigem Kampf nur ganze 143 überlebt. Sultan Khalil al-Aschraf schritt mit steinernem Gesichtsausdruck durch die Trümmer- und Leichenberge bis zum Turm, dort rief er mit Tränen in den Augen: “Oh Allah verzeih mir, was hätte ich mit diesen als Freunde alles erreichen können“- sein Vater Sultan Kalavun war mit dem Großmeister Beaujeu eng befreundet gewesen – (islam. Chronist). Auch die Templer verließen jetzt ihre wenigen verbliebenen Burgen und zogen sich aus dem Land zurück, in dem in 173 Jahren oft erbitterter Kämpfe 20156 ihrer Ordensbrüder umgekommen waren.

Festung Akkon - Speisesaal der Kreuzritter

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Geschichte der Templer

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Der Forschungsgeist, ge-paart mit dem Willen zur humanitären Hilfe, eines Visionisten führte zur Gründung des einfluss-reichsten und mächtigsten Ritterordens der Ges… .

Das Ende eines Traumes

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Der Templerprozess

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Mythen und Legenden des Tempels

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